sinnlich und glasklar

Es gibt Sinneseindrücke, die sich in bestimmten Situationen ganz natürlich anfühlen und in anderen Situationen nicht nachvollziehbar erscheinen. Wenn ich am Massagetisch stehe, liegt ein Mensch vor mir – lebendig und ganz real. Meine Hände nehmen Kontakt auf, fühlen die Beschaffenheit der Haut, der tieferen Gewebeschichten; nehmen die sensorischen Informationen auf und leiten sie an mein Herz und Hirn weiter.

Mein Gegenüber kann sich vertrauensvoll meinen warmen Händen und Massagegriffen hingeben, sich entspannen, ohne etwas tun oder leisten zu müssen. In solchen Augenblicken liegt die Motivation, weshalb ich dieses Buch „Bist du schon bei Sinnen“ schreiben musste, präsent und glasklar vor mir. 

Kehre ich ins Alltagsgeschehen zurück, verflüchtigt sich das Gefühlte und die Gewissheit ist wie weggeblasen. Die unmittelbare Intensität meiner fühlenden Hände ist nicht mehr spürbar und das Ganze erscheint mir unbedeutend und banal.

Stehe ich wieder am Behandlungstisch tritt die beschriebene Gewissheit wieder hervor und erscheint mir von Neuem glasklar und einleuchtend. Oft ist es während der Behandlung ganz leise im Raum, nur die Atemgeräusche und das Knarzen des Parkettbodens sind zu hören. Diese wohlklingende Stille im Raum und meine Konzentration aufs Wahrnehmen und Tasten, machen es möglich, dass meine Klient:innen sich nicht nur sicher und geborgen fühlen, sondern gut in sich hinein-horchen können, vielleicht ein bisschen intensiver als sonst.

Bin ich ganz in diesem Fühl- und Empfangsmodus angekommen, wirkt sich die wohlige Ruhe im Behandlungsraum positiv auf beide gleichzeitig aus und vermittelt Geborgenheit und Sicherheit. 

Hier ein Absatz aus meinem Buch „Bist du schon bei Sinnen?“, aus dem Kapitel „Im Moment sein“:

„In Momenten großer emotionaler Dichte ist das Bei-Sich-Sein unmittelbar präsent. Das geschieht dann ganz von allein und leicht. Ich werde in den Moment hineingesogen, ohne mein Zutun. Einfach so, bin ich mir selbst ganz nah – am richtigen Ort, zur richtigen Zeit […]. Besonders stimmige Momente gibt es auch in manchen Massagebehandlungen – immer dann, wenn sich ein energetisches Feld aufspannt und real spürbar wird; Räume entstehen, in denen sich eine große Weite und ein Verbundenheitsgefühl zur selben Zeit offenbaren. Da sind dann gleich zwei, gemeinsam bei sich angekommen.“

Warum ist es also wichtig das alles aufzuschreiben und mit Worten festzuhalten? Weil die sinnliche Wahrnehmung und das pulsierende Leben in Echtzeit zu spüren, eben durch nichts zu ersetzen ist.