Der Zoom-Faktor

Krokusse – die ersten Frühlingsboten

Immer wieder passiert es, dass mich der Weltschmerz packt und ich traurig über den Zustand unserer Welt bin. Dann ist es Zeit sich aus dem Geschehen im Außen auszuklinken und zurückzuziehen. Die Welt kleiner werden lassen, wenn es zu laut, zu wild, zu unübersichtlich wird – alles zu viel wird. Dann weiß mein Körper bereits vor meinem Verstand, dass ein Rückzug dringend notwendig ist. Ein empfindsamer Teil in mir schaltet die Warnblinkanlage ein. Zunächst blinkt sie nur leicht und wird allmählich stärker, bis mein Nervensystem irgendwann das Alarmsignal meldet – „Achtung Overload!“. Dann heißt es, runter vom Gaspedal, sich auf die Basics konzentrieren, Handy beiseitelegen, den Zoom-Faktor einschalten. Ich lasse das Weltgeschehen zurücktreten, in der Unschärfe verblassen, und zoome mich in eine erfassbarere, Kleinere Dimension hinein.

Wie kann das gelingen? Sich von den einfachen Dingen inspirieren lassen, wie z.B. die Frühlingssonne auf der Haut spüren, die ersten Krokusse und Primeln bewundern, auf Kraftplätzen sitzen, sich mit der Erde verbinden, im Grünen die Batterien aufladen … um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Das bedeutet natürlich nicht, dass das Schwere und Dunkle nicht mehr existiert. Es bedeutet lediglich, sich für eine Weile rauszunehmen, um wieder Kraft zu schöpfen, sich vom Hellen und vom Licht einfangen lassen. Den unschätzbaren Wert des Lebens erkennen und sich auf das Lichtvolle einlassen. Der Frühling, wo alles zu grünen und zu wachsen beginnt, ist die ideale Zeit dafür. Das könnte sich so anfühlen:

Folge dem Ruf aus deinem Bedürfnis heraus, dir eine Pause zu gönnen. Nicht nur dein Kopf auch dein Körper dürstet nach einer Auszeit, nach einem Dahingleiten im Leerlauf, wo nichts gedacht oder getan werden muss. Du sitzt auf einer Waldlichtung, wo das Moos weich und trocken ist. Genießt die Windstille auf dem immergrünen Bett. Lauscht dem Rascheln der Blätter im Wind und dem Zwitschern der Vögel im Hintergrund. Du genießt die warmen Strahlen der Morgensonne auf der Lichtung im Wald, die dich magisch angezogen hat. Wie gut sich das anfühlt! Dein Kopf ist leer – ohne Gedanken. Atmen – Sitzen – einfach Sein. Du spürst das pure Leben, das Pulsieren und Vibrieren in deinem Inneren. Einfach lebendig sein, was für eine Freude!

Wir brauchen nicht weit zu reisen, um zu erleben wie wohltuend es ist, immer wieder, die Bodenhaftung zu spüren, sich mit der Erde zu verwurzeln, satt im eigenen Körper zu wohnen. Besonders in äußerlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, sich im Inneren gut zu verankern. In unserer Imagination, in der Natur oder an einem Wohlfühlort unserer Wahl, kann das Heimkehren zu uns selbst gelingen und sich unser Nervensystem wieder selbst regulieren.